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Du. Genau du machst Musik. Jedesmal, ob du Autoradio hörst oder ins Kino gehst, welchen MP3-Player du besitzt oder ob du lieber am Handy hörst. Welche Kopfhörer du bevorzugst oder ob du lieber zu Hause vor der Stereoanlage hörst. Egal, was du mit der Musik machst, oder wie du es machst, du veränderst damit die Musik.

Wie soll das funktionieren?

Deine Hörgewohnheiten sind für dich individuell. Du hörst anders Musik als deine Freunde, anders als deine Eltern und anders als viele andere. Doch du bist Teil einer großen Community. Jeder, der Musik hört, hört sie auf eine bestimmte Weise. Und jeder hört sie anders. Doch sie alle hören den gleichen Mix, den gleichen fertigen Track. Vielleicht hören Metal-Fans die Musik grundlegend anders als die House - und Breakbeatfans. Doch innerhalb der einzelnen Richtungen, ja sogar innerhalb der gesamten Musik, gibt es Gewohnheiten, die sich durchgesetzt haben, und die die meisten Musikhörer haben.

Wie beeinflusst die eigenen Hörgewohnheiten die Musik?

Beim Mixen und Mastern des Tracks, also beim Herstellen der MP3-Datei, die du auf deinen Geräten hörst, die im Radio gespielt wird oder im TV im Hintergrund platziert wird, macht sich derjenige, der die Datei erzeugt, viele Gedanken darüber, wer die Musik hört. Denn je nachdem, wie die Menschen sie hören, hat er andere Anforderungen, die er in den Mix einbauen muss. Er hat die große Aufgabe, eine Datei zu bauen, die bei möglichst vielen Menschen möglichst gut klingt, egal, wie sie Musik hören. Das ist eine große Aufgabe, denn die Musik klingt nicht überall gleich.

Kleinlautsprecher machen den Unterschied

Jeder, der ein Musikstück schon einmal in der Disco und dann auf dem Handy gehört hat, merkt, dass es sich ganz anders anhört. Das liegt vor allem, aber nicht nur, an den Lautsprechern, auf denen man den Track abspielt. So hat die Disco leistungsfähige Lautsprecher, ja sogar Subwoofer, die den Bass noch einmal zusätzlich verstärken, und diese Lautsprecher machen die Musik laut, und das ohne Kompromisse. Das Handy dagegen hat einen kleinen Lautsprecher, und der schafft es nur schwierig, die Lautstärke zu erzeugen, mit der man den Track hören möchte. Und beim Bass versagt dieser Lautsprecher vollkommen. Beides muss der Macher der Musik im Auge behalten und einschätzen, wie groß die Rolle dieser Situation ist. Und dementsprechend passt er die Musik an. Und zwar so, dass sie möglichst vielen gefällt, und die Qualität bei diesen so gut wie möglich ist. Und alle anderen haben ihre Probleme.

Handy mit Kopfh?rern, ein schlechte Wiedergabekombie, die ausgeglichen werden muss.

Schlechter Klang ist inzwischen zum Standard geworden, und viele Gerätschaften werden mit diesem Klang ausgeliefert.

Was hat mein Lautsprecher mit dem Mix zu tun?

Aber was genau beeinflussen wir jetzt mit unseren Hörgewohnheiten? Schließlich sitzen wir nicht mit den Musikmachern am Tisch und sagen ihnen, wann es bei uns gut klingt. Es läuft anders: Die Musik wird auf unsere durchschnittlichen Hörgewohnheiten zugeschnitten. Und daran haben wir einen Anteil.

Die Badewannenkurve

In der letzten Zeit sind Lautsprecher immer kleiner geworden, weil sie portabel sein müssen. Wir wollen die Musik dorthin mitnehmen, wo wir auch sind, wir wollen sie unterwegs hören. Dazu muss der Lautsprecher portabel sein. Doch kleine Lautsprecher haben einen Nachteil. Sie haben Schwierigkeiten, Bass wiederzugeben, und sie haben Schwierigkeiten, Höhen wiederzugeben. Und nicht nur die Lautsprecher haben dieses Problem. Auch die Kopfhörerbuchse an den meisten Handys hat damit Probleme. Denn der Verstärker, der eingebaut ist, soll billig sein, und er hat somit so wenig Leistung, dass er den Bass nicht leisten kann. Also passiert hier schon eine Verfärbung des Klangs.

Die Typische Badewannenform ist auch in den Einstellungen bei Musik vertreten.

Die typische Badewannenform sorgt dafür, dass das Wasser in der Wanne bleibt.

Da viele Menschen mit solchen Lautsprechern, und meistens vom Handy hören, haben die Toningenieure reagiert. Sie machen in ihrem Mix die Tiefen lauter, die Mitten schwächer und die Höhen wieder stärker. Der Klang nimmt dann die Form einer Badewanne an. Damit klingt der Mix auf den schlechten Wiedergabegeräten gut, und die Leute sind zufrieden. Die Badewannenform ist im Endergebnis am Equalizer gut zu sehen, wenn man Höhen, Mitten und Tiefen vergleicht.

Badewannenkurve, wie sie bei den meisten Musikst?cken angewendet wird.

In der Musik wird mit der Badewannenkurve der Klang so angepasst, dass er auch auf schlechten Geräten gut klingt. Punkt 2 sind die angehobenen Tiefen, Punkt 3 die abgesenkten Mitten und Punkt 4 die angehobenen Höhen. Mit Punkt 1 und 5 wird das Signal lauter gemacht, indem man das entfernt, was wir Menschen nicht hören.

Die Bassfarbe

Nicht nur die Lautstärke beim Bass ändert sich. Auch die Klangfarbe. Denn der besonders tiefe Bass, den, den man spüren kann und der der Musik soviel Energie gibt, findet seinen Weg nicht über die Kleinstlautsprecher. Wenn Musiker das nicht beachten, so wie es mir bei The modern kind of music passiert ist, fehlen wichtige Teile der Komposition auf diesen Geräten. Hört euch das Lied mal auf eurem Handylautsprecher an! Da, wo der Bassschlag sein sollte, ist ein müdes Klopfen, und das geht in den anderen Sounds unter. Das Lied ist auf diesen Geräten faktisch nicht hörbar, und die Hörer sind irritiert. Dagegen kann man beim mixen, und das habe ich dadurch inzwischen auch gelernt, etwas machen, indem man eine Kickdrum nimmt, die viele Obertöne hat. Dadurch sind Teile des Klangs auch auf den Handylautsprechern zu hören und das Stück gewinnt auf diesen Lautsprechern mehr Substanz. Allerdings stören die höheren Töne dann wieder im mittleren Bereich, und andere Instrumente haben es schwerer, sich durchzusetzen. Aber das muss man wohl in Kauf nehmen.

Auch hier entsteht eine Änderung der Musik durch die Gewohnheiten der Hörer, und das ist mir trotz meiner Erfahrung erst nach der Produktion von The Modern Kind of Music bewusst geworden.

Der Loudnesswar

Auch wer unterwegs hört, beeinflusst die Musik. Denn hier muss die Musik über die Hintergrundgeräusche dringen und trotz lautem Auto oder Zug beim Hören Spaß machen. Das größte Problem hier sind die leisen Stellen. Denn an ihnen verschwindet die Musik im Umgebungsgeräusch, und ist praktisch nicht mehr zu hören. Also darf die Musik nicht leise werden.

So haben zuerst die Radios, die ihre Musik meistens an Autofahrer senden, damit angefangen, die leisen Stellen automatisch lauter zu machen und die lauten leiser, um dann die Gesamtlautstärke wieder hochzuziehen. Denn wenn der Unterschied zwischen der lautesten und der leisesten Stelle nicht mehr so groß ist, und man für die laute Stelle den maximalen Ausschlag nutzt, ist auch das leise lauter. Das Verfahren nennt man Kompression.

Weil laut für das menschliche Ohr immer besser klingt als leise, eine biologische Tatsache, die es auch den Musikmachern schwer macht, die Qualität eines so verdichteten Musikstücks zu beurteilen, hat sich damit zwischen den Studios ein richtiger Krieg eröffnet, wer die lauteste Musik hat, denn die wird mehr gekauft. So haben sich die Publisher gegenseitig mit der Durchschnittslautstärke ihrer Stücke überboten, und noch heute ist die Musik, für das, was mit MP3 an Lautstärkeunterschieden möglich ist, extrem laut abgemischt. Die sogenannte Loudness, eine Maßeinheit für die Durchschnittslautstärke, ist immer noch erhöht, und der Loudnesswar ist noch nicht zu Ende. Für die Menschen, die unterwegs hören, ist das gut. In der Disko geht dagegen die Qualität verloren. Denn die Lautsprecher dort können laut. Und der Energieunterschied zwischen laut und leise, der es den Feiernden ermöglicht, zur Ruhe zu kommen, um bei der lauten Stelle noch stärker weitertanzen zu können, ist weg.

Loudnesswar-Track, zu sehen an den geringen Lautst?rkeunterschieden, nur selten sinkt der Pegel.

Dieser Track ist voll auf laut gemacht, nur vorne und an wenigen anderen Stellen sieht man, dass es Lautstärkeunterschiede gibt, Der Rest ist überall gleich laut.

Was hat das mit mir zu tun?

So wirklich etwas dagegen zu machen, ist schwer. Auch meine Stücke auf dieser Seite haben eine leichte Badewanne und sind sehr laut. Auch ich höre manchmal Musik über den Handylautsprecher. Es sind Hörgewohnheiten, die man hat, und die man nicht einfach ablegen kann. Denn diese Entwicklung der Musik ist schwer rückgängig gemacht. Aber vielleicht regt dieser Artikel dich an, genauer hinzuhören und du erkennst, welchen Einfluss die durchschnittlichen Hörgewohnheiten auf die Musik haben, auch damit zu einem geringen Teil auch die eigenen, und wie die Musik überall etwas anders klingt. Denn jetzt weißt du, warum Musik manchmal schlecht, und manchmal gut klingt und wie getrickst wird, um schlechte Anlagen zu verbergen.  Und es ist schön zu wissen, dass ein echtes Livekonzert oft qualitativ besser ist als der Studiotrack. Darüber sollte man sich von der ganzen Loudness- und Badewannengeschichte nicht hinwegtäuschen lassen.

Navid

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