Musik und Klang beeinflussen uns und unsere Wahrnehmung. Wer nicht weiß, wie die Akustik wirkt, lässt sich leicht steuern. Mit etwas Wissen darüber, wie Musik und Klang funktioniert und was man damit machen kann, ist man in der Lage, die Manipulationsmöglichkeiten zu verstehen, abzuwehren oder sogar selber einzusetzen.

Unbewusst wahrgenommen

Jeder kennt den Effekt, etwas wo gehört zu haben. Und kaum jemand kann sich daran erinnern, wann und wo. Denn über den Sehnerv werden 10 mal mehr visuelle Informationen an das Gehirn weitergegeben, als über die akustischen Nervenbahnen gehörte Information. Deswegen wird Musik und Klang meist unbewusst wahrgenommen und verarbeitet. Nur wenn die visuellen Reize gering sind oder wir uns bewusst darauf konzentrieren oder die Musik besonders laut ist, dringt das akustische in unser Bewusstsein. Aber auch unterbewusst steht unser Gehör offen, und eingehende Informationen werden für eine spätere Verwendung abgespeichert.

Damit steht unser Gehör quasi offen für jegliche unterbewusste Manipulation. Ein gut abgespielter Markenname oder ein akustisches Branding verankert sich hervorragend über das Gehör im Unterbewusstsein und führt dazu, dass ein erneutes Auftreten der Marke eine Wiedererkennung auslöst, die für werbende besonders wertvoll ist. Persönlich können wir das nutzen, indem wir im Hintergrund zu einer anderen Tätigkeit wissenswertes abspielen, und das mit etwas Glück verwenden können, ohne es explizit gelernt zu haben. Am besten funktioniert das zusätzlich zu aktivem Lernen und unterstützt die Festigung von Wissen.

Durch unbewusstes Musikhören dringt ein laufender Informationsstrom in unser Geddächtnis.

Geknechtet, um zu hören

Im Gegensatz zu unseren Augen ist das Verschließen der Ohren nie vollkommen möglich. Zuhause können wir an der Anlage den Ton runterdrehen, wenn er uns nicht gefällt. In der Öffentlichkeit ist das nicht möglich. Eine hörbare Botschaft wird deshalb ihren Empfänger erreichen, ob er will oder nicht. Die Ohren sind damit immer offen.

Akustische Botschaften erreichen (bis auf ganz wenige Regel bestätigende Ausnahmen) immer ihr Ziel. Warnmeldungen sind deswegen meistens für das Gehör. Ein blinkendes Licht wird übersehen, ein greller Ton nicht. Auch Meldungen, die Menschen nicht hören wollen, aber hören sollten, lassen sich akkustisch gut übertragen. Denn niemand kann akustisch wegsehen, denn man kann nicht weg hören.

Gemeinsam im Takt - Musik stiftet Gemeinschaft

Musik verbindet. Während Bild und Video die Menschen voneinander trennt, weil man sich alleine auf das Objekt Bild oder Video konzentrieren muss, andere sogar in ihrer Konzentration stören könnte, ist eine Interaktion untereinander kaum möglich. Zu merken ist das am besten beim Sehen eines Filmes oder in einem Museum, in dem Bilder gezeigt werden. Auch das visuelle Betrachten von Internetseiten trennt Menschen. Ganz anders ist das bei akustischen Ereignissen, wie Konzerten oder Partys. Hier kann jeder den Klang wahrnehmen und im Takt mitgehen. Und zwar alle gleichzeitig, ohne sich zu stören, man ermutigt sich gegenseitig dazu, an der Musik teilzuhaben. Musik, Klang und Geräusch verbinden hier, sie führen zu Einigkeit und Gemeinsamkeit.

Genutzt wird das bei der Erziehung von Kindern, die durch Musik ein besseres Sozialverhalten entwickeln, wobei gleichzeitig Ausgrenzung vorgebeugt wird. Weiter gibt es über Ländergrenzen hinweg musikalische Projekte, die den Effekt nutzen, um Frieden zu sichern und eine Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft aufzubauen.

Gemeinsames Musik hören verbindet - ob auf einem Konzert, einer Party, oder zuhause vor der Stereoanlage.

Emotionaler Sound - Musik geht in die Seele

Musik beeinflusst direkt unsere Emotion. Sie kann dem inneren Gefühlszustand schmeicheln, ihm auch hart und unerbittlich zusetzen. Den grundlegenden Emotionen und Emotionsausdrücken, wie etwa Freude, Trauer, Macht und Zärtlichkeit lassen sich ganz spezifische Arten musikalischer Ereignisse zuweisen. Ihr Effekt auf den Menschen lässt sich nachweisen, das abspielen dieser Musik führt dann zu einer emotionalen Empfindung und Reaktion. Dieser Effekt ist direkter als bei Bildern und Videos, es ist kaum eine Interpretation notwendig, das Gefühl stellt sich durch direkte Kopplung ein.

Nutzbar wird diese Eigenschaft bei der Beeinflussung von Menschen bei der Werbung oder beim Film. Wie unterschiedlich eine Reaktion auf ein und dasselbe Video, jedoch mit anderer musikalischer Untermalung sein kann, zeigt dieses Video sehr deutlich:

Die Aufmerksamkeit lenken - Geräusche und ihre Funktion

Ein lautes Geräusch und wir zucken zusammen, ein Knall ein Knacken, ein Rascheln - kleinste Geräusche bemerken wir sofort. Sofort ist unsere Aufmerksamkeit auf das gelenkt, was das Geräusch verursacht haben könnte. Hier kann man argumentieren, dass das in Urzeiten besonders wichtig war, als wir Menschen noch durch Urwälder gingen, doch das wäre zu kurz gegriffen. Denn heute, im Straßenverkehr, unter Menschen oder alleine auf dem Weg nach Hause ist eine akustische Warnmeldung nicht zu unterschätzen, denn oft steckt doch eine Gefahr dahinter.

Das wird im Guten wie im Bösen ausgenutzt, indem wundersame Audioeffekte entstanden im Labor eines Sounddesigners oder wild aufgenommenes dazu eingesetzt werden, Ereignisse in Film, Fernsehen oder Werbung zu betonen. Besonders Trailer werfen mit Geräuschen um sich, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu gewinnen. Auch bei Hörspielen erfüllen Geräusche ihren Zweck. Im besten Fall dreht sich der Hörer um, denn dann ist die Illusion und die Aufmerksamkeitslenkung perfekt.

Übermacht der visuellen Eindrücke?

In unserer eigenen Wahrnehmung dominieren die visuellen Eindrücke. Wir denken, lenken und erinnern uns visuell. Es ist das, auf das wir unsere Aufmerksamkeit lenken, es ist das, was bleibt und das, was wir uns nach einem Film oder Ereignis am ehesten bewusst merken können. In unserer Wahrnehmung ist das Gehörte nur ein Beiwerk, welches als nette Ergänzung neben den visuellen Eindrücken steht. Und so ist es auch, bei den meisten Menschen überwiegt der visuelle Teil. Doch durch die unterbewusste Wahrnehmung und die vielen Manipulationsmöglichkeiten ist der akustische Pfad wie eine Einladung, um Menschen gezielt anzusprechen. Mit einer bewussten Gestaltung akustischer Medien, oder mit dem Einsetzen der oben genannten Effekte im Alltag lässt sich deswegen eine ganze Menge erreichen.

Quellen:
Hußmann, Prof. Dr. Heinrich, VL Digitale Medien 2016/17
Deutscher Bundestag wissenschaftliche Dienste, Die Wirkung von Musik auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern 2007
Nolte Henning, Allner Matthias, Tonpsychologie - Ton Seminar 07/08
http://www.ifa.de/100-jahre-ifa/musik-verbindet.html

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