Wer beim Abmischen von Musik oder Hörspielen Hall hinzu mischt, hat eine große Auswahl an Hallpresets. Wie so ein hochrealistisches Hallpreset erzeugt wird und wie es beim Abmischen am besten eingesetzt wird erfahrt ihr in diesem Artikel.

Vermessen der Raumakustik

Als erstes wird ein Raum benötigt, der einen guten Klang besitzt. Beliebt sind hier Kirchen und Konzerthallen, aber im Prinzip kann jeder beliebige Raum herhalten, wenn man ihn später auf der Aufnahme eines Instruments oder einer Stimme haben möchte. In diesem Raum wird ein Messmikrofon aufgestellt. Dann wird ein lauter, kurzer Knall erzeugt, welcher durch Reflexion an den Wänden ein Echo auslöst, das aufgezeichnet wird. Der Knall am Anfang ist der Direktschall, also das Geräusch, was das Mikrofon direkt vom Knallerzeuger empfängt. Danach folgen die frühen, direkten Reflexionen, welche direkt von Wand, Decke und Boden zum Mikrofon zurückgeworfen werden. Und danach kommt der Nachhall, eine Reflexion der Reflexionen der Reflexionen und so weiter. Dabei ergibt sich dann ein Modell der Reflexion, was später weiterverwendet werden kann.

Nach dem direktschall folgen weiterhin laute erste Reflexionen, danach kommt der Nachhall, eine große Mischung aus Reflexionen der Reflexionen.

Das Diagramm zeigt, wie ein Ergebnis einer Schallmessung aussehen kann. Begonnen mit dem Direktschall sind alle weiteren Ereignisse des selben Knalls im Verlauf der Zeit aufgezeichnet.

Nachspielen am Computer

Das Messergebnis kann dann in ein Computerprogramm geworfen werden, welches dadurch die Informationen hat, wie lange und wie oft ein Schallereignis reflektiert wird, das in genau diesem Raum passiert. Um daraus jetzt eine Hallsimulation zu erzeugen, wird die Aufnahme, über die der Hall gelegt werden soll in kleine Schallereignisse aufgespaltet, und für jedes dieser Ereignisse wird die Reflexion des vermessenen Raumes angewendet. Die vielen kleinen Echos, die dabei entstehen nehmen wir als Hall war und die Aufnahme, die vorher ohne Hall war klingt für uns, als wäre sie direkt in dem Raum entstanden, in dem die Messung stattgefunden hat.

Der schalltote Raum

Um besonders gute Ergebnisse beim späteren hinzumischen des digital errechneten Halls erreichen zu können sollte die ursprüngliche Aufnahme besonders wenig Hall enthalten. Da der Hall auf dieser Aufnahme davon abhängig ist, wie die Hallsituation im Aufnahmeraum ist, muss dieser so Hallfrei wie möglich sein. Im besten Fall hat der Aufnahmeraum keine Reflexionen, die aufgenommen werden, was sich sehr troken anhört. Das ist jedoch praktisch gesehen kaum möglich. Echte schalltote Räume gibt es nicht, dafür gibt es welche, die annähernd schalltot sind, die aber einen großen Platzbedarf haben und aufwändig konstruiert werden müssen. Machen tut man das nur für Messungen, etwa bei Mikrofonen und Lautsprechern. Für Aufnahmen reicht auch für hohe Ansprüche eine typische Studiosituation, bei der der Raumhall durch das Anbringen von Absorbern an großen, glatten Flächen geschluckt wird. Diese Absorber sorgen dafür, dass die Schallquelle an dieser Stelle keine Reflexion auslöst, die eine Aufnahme stört.

Durch ihren weiten Raum mit vielen großen Wänden reflektieren Kirchen besonders viel Schall, was zu der gewohnten Hallathmosphäre führt.

Kirchen sind bekannt für ihren starken Nachhall. Aber im Prinzip ist jeder Raum hallig, einen wirklich schalltoten Raum gibt es nicht.

Abstand einstellen

Beim hinzumischen von Hall zu Musik hat man die Möglichkeit, den Abstand des Zuhörers vom Instrument oder Sänger zu bestimmen. Denn wenn wir in einem Raum nahe an einem Instrument stehen, überwiegt die Lautstärke des Instrumentes, also der Direktschall im Klangbild. Je weiter wir vom Instrument weg sind, desto mehr Einfluss hat der Raumklang, also die Reflexionen. Diesen Wert kann man mit dem DRY/WET-Regler einstellen. Wenn er mehr auf DRY steht, ist der Direktschall im digitalen Mix lauter, da dieser direkt ohne Hallberechnung durchgeleitet wird. Geht der Schalter in Richtung WET kommt mehr der Hallberechnung durch. Besonders wirksam ist das bei einer Orchesterabmischung, denn damit entsteht der räumliche Klang zur Positionierung der Musiker im ursprünglich vermessenen Raum.

Quellen:
Müller, Prof. Dr. Gerhard, Lange Nacht der Universitäten München 2017, VL Raumakustik - wie Musik erwacht
Hußmann, Prof. Dr. Heinrich, VL Digitale Medien 2016/17
Exkursion Institut für Rundfunktechnik (IRT) 2017
und eigene Erfahrungen.

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