Um ein Saxophon in einem digitalen Instrument gut zu spielen, muss man das analoge Instrument gut kennen.

Vor einiger Zeit habe ich im Zusammenhang mit der Gitarre geschrieben, dass diese nicht digital simulierbar ist, weil ihre für den Klang wichtigen Nebengeräusche in einer Simulation nicht richtig gesetzt werden. Nun habe ich angefangen ein neues, gänzlich analoges Instrument zu lernen und habe dabei weitere wichtige Eigenschaften von Originalinstrumenten gefunden, die sie gegenüber ihrer virtuellen Kopie hervorheben. Anhand dieses Instrumentes, dem Saxophon möchte ich mit diesem Artikel einige weitere Grenzen der digitalen Musik einführen, die aber sehr gut beherrschbar und mit etwas Mühe zu überwinden sind. Doch dazu sollte man sich das zu emulierende Instrument etwas genauer ansehen.

Menschliche Grenzen begrenzen das Instrument

Wer mit dem Saxophonspielen anfängt merkt sofort, dass es nicht ganz einfach ist, einen Ton zu erzeugen. Genauer gesagt benötigt es eine gute Anleitung, im besten Fall sogar professionelle Unterstützung durch einen Musiklehrer, damit das so funktioniert. Selbst wenn man den ersten Ton gespielt hat dauert es noch eine Weile bis man ganze Melodien spielen kann. Allein der Atem reicht am Anfang nicht aus, um eine melodische Passage am Stück zu spielen. Damit kommen wir zur ersten Grenze eines analogen Instruments: Den Menschen. Der Mensch hat physische Beschränkungen. Eine davon ist etwa die Muskelkraft. Sie zeigt sich im Atem(Zwerchfell und andere Komponenten), aber auch beim Ansatz. Dieser Ansatz ist beim Saxophon eine wichtige Variable. Es handelt sich dabei um die Haltung des Mundes am Mundstück, die den Klang erheblich beeinflusst. Die dafür notwendige Spannung muss ein Saxophonspieler gut trainieren, sonst fällt sie ein und der Klang verändert sich. So oder so ändert sich der Ansatz aber im Laufe des Stückes und verändert damit den Ton.

Ein digitales Pardon kann dagegen jederzeit den gleichen Ton erzeugen, und das so lange wie man es denn haben möchte. Es braucht nicht atmen, es braucht keine Muskelkraft und auch sonst keine menschlichen Fähigkeiten. Es könnte damit den perfekten Ton halten. Doch das macht die Musik starr, denn die Veränderungen, die wir in natürlichen Aufnahmen durch diese Beschränkungen menschlicher Fähigkeiten wahrnehmen, sind essentiell für unser natürliches Musikverständnis.

Physikalische Grenzen

Auch die restliche Physik abgesehen vom Menschen beschränkt ein Instrument. Eine Beschränkung des Saxophons geben die Klappen vor. Für manche Tonwechsel sind mehrere davon zu betätigen, und es erfordert viel Übung, dass dabei nicht andere Töne, die nur einen Teil der Klappen für den gewünschten Ton brauchen hervorkommen. Der Wechsel ist dabei selbst bei guten Spielern minimal hörbar. Das wechseln mehrerer Klappen ist notwendig, da das Instrument für unterschiedliche Töne unterschiedliche Luftausströmungen braucht, damit die Stimmung passt. Die digitale Emulation arbeitet nicht mit Klappen, sie startet direkt den Ton. Den Effekt müsste man also selber in die digitale Notenschrift einbauen, damit der durch die Physik bedingte Effekt digital zutage tritt. Dafür ist eine gute Kenntnis notwendig, wo man welche Klappen wechselt, weil er eben nicht an allen Stellen auftritt. Ein anderer Effekt sind unterschiedliche Zeitdauern bis der Ton startet je nach Tonhöhe. Ich weiß hier nur dass diese existieren, habe aber noch nicht ganz raus wie stark sie sind. Das wäre eventuell etwas woran ich noch arbeiten müsste, um den emulierten Klang zu verbessern.

Notenkonventionen

Auch die Noten eines Instruments passen sich an dieses an. Zwar funktioniert die Notenschrift weiterhin wie man es von anderen Instrumenten gewohnt ist, es existieren aber weitere dialektartige Konventionen, die pro Instrument in der Schrift vorkommen. So hat das Saxophon eine andere Stimmung als etwa das Klavier, und das was beim Altsaxophon ein C ist ist beim Klavier ein Es. Aus diesem Grund sind für Saxophonstücke andere Tonarten (bezogen auf das Klavier-Schlüsselloch-C) üblich, und andere Instrumente müssen sich anpassen (Das Klavier spielt nicht "einfach" auch C-Dur, sondern Es-Dur).

Auch bekannte Dinge der Notenschrift haben eine andere Interpretation als für andere Instrumente. Beim Saxophon sind das die Bindebögen. Beim Klavier war das für mich so, dass man die Töne ohne Lücke aneinander gereiht hat und der Anschlag trotz Bindebögen immer vorhanden war. Beim Saxophon kann man sie wirklich binden, muss aber darauf achten, dass andere Noten angestoßen werden (hier setzt man durch das sogenannte Anstoßen den Anschlag bewusst). Wer das Instrument emuliert kann digitale Noten nach Belieben setzen, ohne auf das Instrument selbst zu achten. Er kann das Saxophon so spielen lassen wie es etwa ein Klavier tun würde. Wer sich aber in die Notenschrift für das Instrument einarbeitet kann die Noten so gestalten, dass sie diese Konventionen befolgen und damit den natürlichen Klang des Originals bewahren.

Die Parameter der Instrumente

Aus den Einschränkungen von oben ergeben sich damit gewisse Parameter, die das Instrument und seine Einsatzmöglichkeiten begrenzen. Diese beeinflussen den Klang, die Spielweise, die Flexibilität und sich gegenseitig. Sie schließen damit Dinge aus, die ein digitales Instrument ohne Schwierigkeiten hinbekommen kann, weil es die Parameter entweder nach belieben verändern kann, oder so starr halten kann, dass sie sich eben nicht anpassen. Denn hier kann man mit Equalizern, Filtern, Hall und so weiter unabhängig arbeiten oder eben nicht. Ein Gefühl für die Parameter eines physischen Instrumentes sorgen für mehr Realismusgefühl beim Spiel eines digitalen Instruments. Wer sich mit dem analogen Gerät auskennt weiß, was nicht passt anstelle dass einfach irgendetwas falsch klingt. Natürlich begrenzt das Festklammern an echten Parametern die große Freiheit, die uns die Digitalisierung des Musikmachens bringt, und diese sollte auch garnicht beschnitten werden. Um diese Freiheit aber in gute Kreativität umzusetzen empfiehlt es sich mit dem Originalinstrument auseinanderzusetzen. Natürlich ist das viel verlangt, denn manchmal kann man es dann auch gleich spielen lernen und eine echte Aufnahme machen. Aber schon ein bisschen Ahnung durch Einlesen bewirkt hier viel. Denn dann wird aus zufälliger Parametervariation eine gezielte Klangformung. Mit dieser Kenntnis überwindet man das Problem der großen Flexibilität digitaler Instrumente und erlernt, den Klang zu generieren, den man haben möchte.

Quellen:
Saxophon Unterricht
Zimmermann, Dr. Christian, VL Human-Factors Engineering WS 2017/18 und SS 2018, LMU München
Und eigne Erfahrungen

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