Für mich waren Schallplatten schon immer eine historische Technik. Natürlich kannte ich die alten Scheiben aus der Sammlung meiner Eltern, und habe sie, sehr selten zwar, auch selbst gehört, und habe beim Hören auch das eine oder andere Lieblingslied gewonnen. Doch die Platte konnten bei mir mit den leicht zu nutzenden MP3s nicht mithalten. Außerdem hatte ich immer das Rauschen und Knacksen in Erinnerung, das mit dem Sound dabei war. So war es mir immer unverständlich, warum heute noch Leute an der Technik hängen und Vinyl hören, trotz der ganzen bekannten Mängel und Fehler der alten Technik.

Gestaltete Plattencover von Braintickets, Dead Kennedys, CAN, Bröselmaschiene und Greatful Dead.

Plattencover sind meist künstlerisch aufwändig gestaltet, und es ist eine große Freude, diese zu betrachten. Hier Platten aus der Sammlung meines Vaters.

Nachdem ich mit der digitalen Musikproduktion begonnen habe, hat sich mir die Frage nach dem analogen nicht mehr gestellt. Zu sehr bin ich in der digitalen Welt verwurzelt, analog wurde für mich zum Kampf mit dem Rauschen. Musik höre ich in Massen und digital, alles andere erschien mir unnötiger Ballast. Sogar CDs finde ich umständlich, und digitalisiere sie, wo ich kann. So wurde das digitale Element in meinen Songs immer größer, und die analogen Teile sind immer weniger geworden. Aber nun zurück zur Schallplatte.

Die Faszination, die in der drehenden Scheibe steckt hat jetzt doch auch mich erreicht. Nicht etwa so, dass ich mir Schallplatten zulegen würde, einen Plattenspieler und alles, was dazugehört. Aber so, dass ich mich für die interessiere, die sich treu an das Vinyl halten und immer noch, mitten im digitalen Zeitalter, die analoge Qualität bevorzugen. Was ist mit dem Rauschen, dem Knacksen, den springenden Nadeln, und all den anderen bösen Sachen, die bei Vinyl passieren können, von denen man immer hört? Im Interview mit Manfred Krug von vinyl-fan.de, einem Onlineblog mit und über die runde Scheibe habe ich die Fragen gestellt, die mich am meisten interessiert haben:

Sebastian Unger: Warum hängen Sie an Vinyl?

Manfred Krug: Ich bin mit der Schallplatte ausgewachsen und blieb ihr bis heute treu. Selbst zu Zeiten Anfang der 80er, als die CD allmählich aufkam und manche meiner Freunde sich den ersten CD-Player gekauft haben. Die LP ist für mich das einzige Medium, das in der Lage ist, die Intentionen der Musiker vollständig zum Hörer zu transportieren. Und bis heute ist es eine ganz besondere Freude, eine neue LP auszupacken, auf den Plattenteller zu legen und zu erleben, wie sich die Nadel absenkt. Das Cover anzuschauen, die Texte zu lesen und die Musik zu genießen.

Sebastian Unger: Was ist für Sie das Besondere an Vinyl?

Manfred Krug: Neben dem eben erwähnten Genussfaktor des Plattenauflegens zählt ein schönes Cover und der besondere Klang zu den Stärken der Vinylscheibe. Es ist also ein haptisches, ein optisches und ein klangliches Erlebnis, das es bei keinem anderen Tonträger gibt, auch nicht bei CD oder DVD. Übrigens muss eine LP nicht besser klingen als eine CD oder digitale Files, aber sie kann es und tut es meist auch!

Sebastian Unger: Ist Vinyl besser als MP3? Besser als WAV?

Manfred Krug: Wenn man das „besser“ auf den Klang reduziert, fällt die Antwort so aus: klingt die LP schlechter als ein MP3, dann gehört sie in den Müll! Mit WAV hab ich keine Erfahrung, deshalb wäre hier ein Vergleich eher unseriös. Aber: Vinyl ist alleine wegen der oben genannten Gründen besser: Haptik, Optik, Handhabung zelebrieren. Oder ganz anders gesagt: kennst du jemand, der deine Sound-Files-Datei sehen möchte? Oder sich für die CD-Sammlung interessiert? Aber vor der Plattensammlung bleiben sie stehen, mit offenen Mündern! Das ist geil und nicht WAVs im Computer!

Sebastian Unger: Was möchten Sie Leuten sagen, die Schallplatten nie richtig kennen gelernt haben?

Manfred Krug: Lasst Euch nicht erzählen, die Vinyl klingt so super. Und ihr rennt ahnungslos mit einer beliebigen Scheibe los, hört sie auf nem schlechten Plattenspieler und findet das einfach sch…! Beim Plattenhören (ist auch ne Hardware-Frage) kann man ne Menge falsch machen. Aber wenn alles richtig ist und das ist kein so großes Problem, dann klingen LPs einfach klasse! Und wenn man sie voller Stolz in ein Regal stellt, zu all den anderen, versteht man, warum Vinyl einfach geiler ist als alles andere an Tonträgern!

Vielen Dank an Manfred Krug für seine tollen Antworten. Wer mehr über die analoge Technik wissen möchte, findet im Blog von vinyl-fan.de einige Menge Informationen zu Schallplatten, Plattenspielern und allem, was dazu gehört.

Its a big bad beautiful day Platte und Plattencover

Es trifft schon zu, so eine Platte macht einiges her, das schafft digitale Musik nicht. Und das Plattencover ist eine Wucht - viel Flächer und wunderbare Bilder.

Die Platten Saw Delight unde Grateful Dead - auch die Rückseite macht etwas her.

Oft ist die Rückseite ebenso schön gestaltet wie die vorderseite - hier die Platten Saw Delight und Greatful Dead

 Das Inlet einer Platte - mit Infos zur Band

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt - hier liefert das innere der Plattenhülle Informationen zur Band, eine Sache, die MP3 Cover sehr vermissen lassen.

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